Endlich: Es geht wieder los.

„Liebe Sportfreunde. Herzlich Willkommen im Sportpark des SV Orsingen-Nenzingen!“, hallt es durch die Lautsprecher im Bannholz. Es duftet nach frischer Cervelat im staubigen Brötchen und aus dem Zapfhahn strömt literweise das kühle Gold. Manche Dinge ändern sich eben nie.

Unzählige Anhänger des Amateursports pilgern mit einem breiten Grinsen und dem soeben von der Bundesregierung beschlossenen empfohlenen Mindestabstand von genau eindreiviertel Ellen den Fahrradweg zwischen den beiden Ortsteilen Orsingen und Nenzingen, der ehemaligen B31 entlang. Langsam aber mit greifbarer Vorfreude rückt die zähe Menschenmenge voran.

Der Sportpark ist bei strahlendem Sonnenschein und Temperaturen weit über 306,15 Kelvin – was 33 Grad Celsius glatt entspricht – trotz Klimawandel bestens vorbereitet. Die überdachte Hauptgerade ist nach unzähligen Nachtschichten von Dennis und Werner Schäuble soeben fertig geworden. Jeder zweite Sitzplatz ist, wie es sich für eine Menschenansammlung von mehr als 123 Personen eben gehört, mit frisch gespitzten Taubenspikes ausgerüstet. Im elektrobetriebenen Papamobil weist Winfried Mond die Zuschauer auf ihre Plätze.

Als Stadionsprecher Frieder Förster das Publikum mit gewohnt überschwänglicher Art begrüßt, ist die Spannung kaum mehr auszuhalten. Von seiner Kanzel begrüßt er zunächst Ehrengast und Bundeskanzler Heiner Lauterbach in Orsingen-Nenzingen. „Karl. Karl Lauterbach!“, nuschelt der deutsche Kanzler. Letztlich eine Randnotiz im wie immer verspätet erstellten Protokoll, die ausschließlich die Virenkultur an der Frontscheibe von Lauterbachs Taucherglocke, nicht aber die unzähligen Journalisten der Regenbogenpresse nährt.

Zu bester Sendezeit ist es dann soweit. Die beiden Mannschaften kommen aus den Katakomben und betreten das saftige Grün – perfekt gestutzt von Platzwart Matthias Dietl. ON-Headcoach Lou Ebersbach peitscht auf dem Weg zur beheizten Trainerbank die traditionelle Hintertor-Fankurve des SV Orsingen-Nenzingen nochmals ein, um sich schon Sekunden später einen großen Schluck aus der Flasche des neuen Hauptsponsors des SVON, „Asbach Uralt“, zu genehmigen.

Auf der Gegengerade brennt zum Unmut von ON-Präsident Steffen Schneider Pyrotechnik. „Das wird teuer“, murmelt er dem Vorstand a.D. Frank Veit zu. Dieser nickt und klammert sich voller Adrenalin an eine große Flasche Wasser – Medium, klar, wegen der Kohlensäure.

Der Präsident der Deutschen Fußball-Liga, Salomon Kalou, begrüßt die Zuschauer. Der Urberliner erntet Applaus für sein zuletzt verabschiedetes Hygienekonzept, das heute erstmalig greift und unter anderem statt dem Handschlag einen ordentlichen Kopfstoß vorsieht. Er dankt Orsingen-Nenzingens Bürgermeister Ferhat Özbek (ehemals Hattinger SV) für die hervorragende Organisation der heutigen Veranstaltung.

Applaus brandet auf – Schiedsrichter Kevin Stehle und seine Assistenten Steffen Maier und Rüdiger Renner führen die Mannschaften auf das Spielfeld. Der vierte Offizielle Konni Matheis hat sich nach Angaben des Dachverbands leider einmal mehr komplett verrannt.

Einige Gästefans stimmen vorsichtig ihren Schlachtruf an: „Wir sind Schalker, asoziale Schaaaaaalker, schlafen unter Brücken oder in der Bahnhofsmission!“. Doch als wäre der Lizenzentzug des FC Schalke 2020 für die obersten acht Ligen nicht schon schlimm genug, antwortet das weder berühmt noch berüchtigte „Commando Bannholz“ umgehend mit einer Hommage an Platzwart Dietl: „Hab mein Leben im Griff, hab mein Leben im Griff, hab mein Leeeeeben im Griff. Oleole…“.

Doch genug des Vorgeplänkels – es geht los. Ein lauter Pfiff erklingt, der wohl nicht altern wollende Marco Knobelspies holt aus und drischt mit unbändiger Kraft auf das Spielgerät. Welch ein Drive. Perfekter Schwung. Welche Freude.

Ein Glück für 7 Millionen Aktive, dass im Jahr 2038 endlich wieder Golf gespielt wird. In diesem Sinne: Auf das was da noch kommt.


Warnung: Dieser Artikel kann Spuren von Satire enthalten. Bei Beschwerden oder Anmerkungen bitte keinesfalls an Steffen Maier wenden. Danke =)


Es soll ja auch Leute geben, die tatsächlich glauben, Satiriker schrieben ihre Texte wirklich zum Spaß…