BZL: Die unglaubliche Aufholjagd des SV ON

Fußball, Bezirksliga: Beim späten 3:2-Auswärtssieg des SV Orsingen-Nenzingen über den FC Hilzingen gab es am Ende zwei Gewinner. Die Gäste, die in Unterzahl mit toller Moral ein verloren geglaubtes Spiel noch drehten, und den FC Überlingen, der durch den Hilzinger Ausrutscher den zweiten Tabellenplatz in der Bezirksliga zurückerobern konnte. Ein Umstand, auf den Ralph Schweizer, Trainer des SV Orsingen-Nenzingen und früher selber beim FC Hilzingen an der Seitenlinie, gerne hätte verzichten können. „Auch wenn mein Abgang in Hilzingen damals nicht gerade erfreulich war, ist das mit Sicherheit kein Sieg der Schadenfreude“, beteuert er. „Die Beziehung zu Hilzingen ist von großem Respekt geprägt. Gerade zu Trainer Markus Schoch habe ich ein super Verhältnis.“

Vielmehr überwiegt bei Schweizer die Freude über den traumhaften Ausgang eines hochemotionalen Fußballspiels. Aus einem 1:2-Rückstand machte sein Team durch Tore in der 89. Minute und der ersten Minute der Nachspielzeit noch einen dreifachen Punktgewinn. „Es macht mich unglaublich stolz, wie die Mannschaft nie aufgegeben und um jeden Meter gefightet hat“, sagt Schweizer. „Als dann das 2:2 fiel, dachte ich: Jawohl, es gibt einen Fußballgott. Mit dem Ergebnis wäre ich dann eigentlich auch zufrieden gewesen.“ Doch es sollte für Schweizers Elf noch besser kommen. Mit Joker Philipp Schaeidt hatte er den Schützen des Siegtreffers zehn Minuten zuvor eingewechselt. „Er war sehr lange verletzt, aber hat eine derart positive Einstellung, dass er die ganze Mannschaft mitreißt. Wir wussten alle: Wenn hier noch einer trifft, dann er“, verrät der Coach. „Als der Treffer dann fiel, ist die ganze Bank aufgesprungen und wie wild auf dem Platz herumgerannt – das war schon sehr emotional.“

Getrübter ist die Stimmung hingegen verständlicherweise beim Gegner aus Hilzingen. „Dass wir dieses Spiel noch verlieren, darf natürlich nicht passieren“, macht FC-Coach Markus Schoch keinen Hehl aus seiner Enttäuschung. „Wenn du ganz vorne mitspielen willst, musst du so eine Partie mit einem Mann mehr auf jeden Fall über die Bühne bringen.“ Spielerisch kann er seiner Mannschaft jedoch keinen Vorwurf machen. „Wir waren besser und haben das Spiel eigentlich bestimmt. Dass dann drei hohe Bälle den Sieg für den Gegner bringen, ist natürlich extrem bitter“, sagt Schoch. „Aber wir werden die Niederlage abhaken und bis zum Schluss alles geben. Es bringt nichts, den verlorenen Punkten nachzutrauern.“

Deshalb bleibt für Schoch aus dem Duell mit seinem Ex-Verein auch keine Bitterkeit zurück. „Ich habe immer noch viele Freunde in Orsingen-Nenzingen, und wir haben vor dem Spiel eine Menge Späße gemacht“, betont er. „Nichtsdestotrotz tut eine Niederlage immer genau gleich weh. Wenn man sich nach der Partie ein bisschen beruhigt hat, fällt es dann aber schon leichter zu gratulieren.“

Quelle: suedkürier.de